Genetische Veränderbarkeit des PRRS Virus

Das PRRS-Virus unterliegt bei seiner Vermehrung einer zwar langsamen, dafür aber stetigen Veränderung.

Bei seiner Vermehrung in der Wirtszelle wird die genetische Information immer wieder "abgeschrieben". Andere Virusarten (wie z. B. das Aujeszky-Virus) kontrollieren, ob sich vielleicht ein "Abschreibfehler" eingeschlichen hat und korrigieren diesen Fehler gegebenenfalls schnell. Dem PRRS-Virus fehlt eine solche Korrektur. Wie bei der "stillen Post" wird z. B. aus dem Wort Ferkelimport irgendwann ein "Ferkelreport" und dann sogar ein "Ferkelsport" oder in einem anderen Bestand aus dem gleichen "Ferkelimport" ein "Pferdeimport" und zuletzt vielleicht der "Pferde-sport" oder die "Pferdepost". 1991 waren nur zwei PRRS-Viren bekannt: das Lelystad-Virus, welches in den Niederlanden isoliert wurde und den Europäischen PRRS-Typ repräsentiert (EU-Typ) und das VR 2332-Virus, welches in den USA isoliert wurde und den Nordamerikanischen PRRS-Typ (US-Typ) repräsentiert. Diese beiden Typen unterscheiden sich deutlich in einigen Bereichen ihrer genetischen Information. Bis Ende 1991 wurden bei den bis dahin gefundenen Viren (Feldisolaten) immer nur geringe "Schreibfehler" gefunden. Innerhalb des jeweiligen Typs lagen die Abweichungen deutlich unter 3 %. Inzwischen betragen die genetischen Abweichungen der PRRS-Viren zum Teil mehr als 20 % - und die "stille Post" geht immer noch weiter. Durch diese stetige Änderung bei der Virusvermehrung sind inzwischen unzählige PRRS-Virusvarianten mit unterschiedlichen Eigenschaften entstanden. Einige Virustypen bereiten hauptsächlich Schäden im Atemwegsbereich und andere eher Schäden im Bereich der Fruchtbarkeit. Einige verursachen heftige und andere ein so mildes Krankheitsbild, dass sie unbemerkt bleiben. Wichtig zu wissen ist, dass das Lelystad-Virus von 1991 heute nicht mehr in den Schweinebeständen zu finden ist.

Genetische Abweichung alter und aktueller PRRS-Isolate zu dem ursprünglichen Lelystad Virus von 1991