Impfstoffe

Totimpfstoffe vermitteln dem Immunsystem einen Eindruck über das äußere Erscheinungsbild des Erregers - Lebendimpfstoffe zeigen dem Immunsystem zusätzlich, wo und wie sich der jeweilige Erreger vermehrt. In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass Lebendimpfstoffe bei PRRS deutlich wirksamer sind als Totimpfstoffe.

Obwohl das PRRS-Virus eine hohe Variabilität aufweist, ist es mit dem richtigen Impfstoff möglich, eine optimale Wirksamkeit zu erreichen. Ausschlaggebend für einen wirksamen Impfstoff ist:

- wie gut der Impfstoff das Immunsystem auf den Kontakt mit dem Feldvirus vorbereiten kann
- wie breit der Impfstoff das Immunsystem gegen die unzähligen unterschiedlichen Virustypen aktiviert (Kreuzimmunität)
- wie stark der Impfstoff insgesamt das Immunsystem aktiviert


Diese Eigenschaften des jeweiligen Impfstoffes können nur über Studien geprüft werden, bei denen geimpfte Sauen mit möglichst stark abweichenden PRRS-Feldviren in der Hochträchtigkeit belastet werden. Je besser der Impfschutz gegen möglichst entfernte Virustypen ist, desto höher ist die Sicherheit, dass ein sehr breites Spektrum an Virustypen durch den Impfstoff abgedeckt wird und auch zukünftige neue Varianten mit hoher Wahrscheinlichkeit abgedeckt werden.

Die Forscher von Boehringer Ingelheim entschieden sich 1992, nach langwierigen Versuchen mit Tot- und Lebendimpfstoff-Kandidaten für die Entwicklung und Vermarktung eines Lebendimpfstoffes auf der Basis eines natürlichen Markervirus. Mit diesem Stamm konnten die besten Ergebnisse zum Aufbau eines Impfschutzes erzielt werden. Der Impfstoff zeigte in zahlreichen Tests sowohl gegen europäische als auch amerikanische Feldviren einen sicheren Impfschutz. Diese so genannte Kreuzimmunität wird regelmäßig in Studien mit aktuellen Feldvirusisolaten überprüft. Im Jahr 2001 wurde zudem ein Totimpfstoff eingeführt, der sich besonders für Betriebe mit geringem PRRS-Feldvirusdruck eignet.

Zahlen belegen dass Impfungen gegen PRRSV in Deutschland überwiegend mit dem Lebendimpfstoff und hier vor allem mit dem "natürlichen Markerimpfstoff" durchgeführt werden.



Bei einer Entscheidung zwischen Lebend- und Totimpfstoff sollten folgende Faktoren beachtet werden:


Lebendimpfstoff (MLV=Modifizierte Lebend-Vakzine):
In allen Beständen, in denen ein hoher Infektionsdruck herrscht oder stetig mit neuem Viruseintrag in größerem Umfang gerechnet werden muss, z.B.:

- in akut PRRS-infzierten (instabilen) Beständen
- in schweinedichten Regionen
- bei Zukauf von Jungsauen oder Jungebern aus ungeimpften, PRRS-positiven Herkünften

 
Totimpfstoff (KV=Killed(abgetötete)Vakzine):
Überall dort, wo nur geringer Infektionsdruck besteht oder ein Lebendimpfstoff nicht sinnvoll ist:

- in PRRS-freien Beständen und Regionen mit niedrigem Infektionsdruck
- in PRRS-freien Beständen, in denen nur Teilgruppen geimpft werden sollen (z.B. einzelne Jungsauen für PRRS-positive Empfängerbetriebe)
- in Betrieben mit sehr geringem Infektionsdruck